Lui
Verstorben Mitte Juli 2015!
   
Dabei seit: 12.09.2007
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| Am Heiligen Abend kommen alle in die Kirche. Was suchen die da? Und was sagen die Pfarrer dazu? Wir glauben nicht, dass es Gott gibt. Trotzdem feiern wir Jahr für Jahr die Geburt seines Sohnes. »Das ist seltsam, nicht wahr?«, hat der Schriftsteller Axel Hacke in einer dieser typisch ironischen Weihnachtserzählungen mit dem Titel Alle Jahre schon wieder geschrieben. Schon wieder! Ohne Ironie lässt sich nicht mehr über Weihnachten reden. Deshalb liegen auf den Adventstischen der Buchläden viele Kuriosa, und die beliebtesten Buchcover zeigen so peinliche Szenen wie die mit dem Weihnachtsbaumverkäufer, der versehentlich in eine rotierende Baumverpackungsmaschine gerät. Anzeige Axel Hacke war nicht der Erste, der sich über unsere Weihnachtssehnsüchte lustig gemacht hat. Aber er beschrieb am treffendsten das Dilemma des Weihnachtschristentums: dass auch die Unfrommen, die das ganze Jahr gut ohne Kirche leben, an Heiligabend verlässlich angerannt kommen. In die normale deutsche Provinzkirche gehen dann fünfmal so viele Menschen wie an einem gewöhnlichen Sonntag. Und vor dem Berliner Dom müssen sie Absperrgitter aufstellen wie bei einem Rockkonzert, um die Scharen sicher in die Kirche zu schleusen. Draußen auf der obersten Stufe der Treppe steht der Küster mit dem Megafon und ruft die Wartezeiten aus. Nur die getreuen Gemeindemitglieder haben Eintrittskarten und schleichen durch die Hintertür, damit sie Platz finden, bevor die Hauptportale geöffnet werden für alle, die die Geburt des Erlösers nicht verpassen wollen. Ja, Erlösung. Nichts Geringeres feiern wir im Weihnachtsgottesdienst, und dass auch strenge Kirchenabstinenzler das aushalten, hat wohl tiefere Ursachen als bloß: Kirchgang ist Tradition und daher als Event alternativlos. Wir werfen ja sonst jederzeit Traditionen über Bord. Wir sind auch nie um neue Partyideen verlegen. Aber an diesem einen Abend ziehen wir brav hinterm Posaunenchor her, aus dem schneeknirschenden Dunkel durch die offene Kirchenpforte ins Licht. Dann singen wir nicht ohne Inbrunst »heilig«, »selig«, »halleluja«. Warum? Und warum bleiben nach Weihnachten so viele wieder weg? |
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http://www.zeit.de/2010/51/GZ-Weihnachtschristen
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Man kann alles zensieren und durch Regeln beschränken. Nur dann darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann viele weg bleiben.
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Ich baue grundsätzlich in allen Beiträgen absichtlich Rechtschreibfehler ein um den Leser und ganz speziell den "Klugscheissern" zusätzlichen Spaß zu bereiten und meine Beiträge interessanter zu machen.
Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von Lui am 24.12.2010 22:27.
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24.12.2010 22:24 |
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